Assistenzbudget Kanton Bern (ABBE)

Selbstbestimmung und Eigenverantwortung

Mehr und mehr Menschen mit erheblichen Behinderungen wollen trotz ihrem teils umfangreichen Bedarf an persönlicher Hilfe selbstbestimmt zu Hause leben. Der Kanton Bern ergänzt mit dem ABBE den Assistenzbeitrag der IV gezielt. Erwachsene BezügerInnen mit einer Hilflosenentschädigung aller Behinderungsarten sollen zwischen diversen Leistungserbringern frei wählen können. Hierzu wird im Rahmen des Pilotprojekts der Mittelweg zwischen professioneller Betreuung (Heime, Spitex, Werkstätten etc.) und der unbezahlten Freiwilligenarbeit weiter gestärkt.

Das ABBE ist ein Pilotprojekt und wird zu einem späteren Zeitpunkt durch das Berner Modell abgelöst.

Schauen Sie sich die informativen Erfahrungsberichte von TeilnehmerInnen an.

 

Projekt und Anmeldung

Seit Inkrafttreten der NFA (Neugestaltung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung) im Jahre 2008 fällt die Finanzierung der Behinderteninstitutionen und Organisationen für die Hilfe und Pflege zu Hause in den alleinigen Aufgabenbereich der Kantone. Vermehrt möchte man dabei von der bisherigen kollektiven Objektfinanzierung abrücken und den individuellen Bedarf der Behinderten subjektorientiert abgelten. Der Regierungsrat des Kantons Bern sieht hierzu im Behindertenkonzept die Einführung der Subjektfinanzierung vor. Die Gesundheits- und Fürsorgedirektion lässt seit 2010 das Pilotprojekt Assistenzbudget (ABBE) ergänzend zu den Leistungen auf Bundesebene durchführen, welches auch der Entwicklung eines Subjektbeitrags dienen kann.

Mitmachen dürfen Erwachsene, die eine Hilflosenentschädigung der Sozialversicherungen IV / UV / MV oder bei Besitzstand der AHV beziehen. Ausdrücklich erwünscht ist die Teilnahme von Personen mit den unterschiedlichsten Behinderungen, namentlich auch mit eingeschränkter Handlungsfähigkeit. Die Teilnehmenden müssen ihren zivilrechtlichen Wohnsitz bereits seit 5 Jahren im Kanton Bern haben. Personen, die einen Anspruch auf den Assistenzbeitrag der IV haben, dürfen sich ergänzend für das ABBE anmelden. Während der Projektteilnahme ist ein Heimaufenthalt ausgeschlossen. HeimbewohnerInnen erhalten das ABBE deshalb erst dann ausbezahlt, wenn sie in eine Privatwohnung ziehen – Anmeldungen sind aber selbstverständlich schon vorher möglich.

Weitere nützliche Informationen und Downloads finden Sie im Ratgeber oder nehmen Sie direkt Kontakt mit uns auf.

 

Bedarfsbemessung

Selbstdeklaration

Bei der Selbstdeklaration geht es darum festzulegen, wie viel Geld Sie erhalten, damit Sie Ihren Hilfebedarf selbstbestimmt und eigenverantwortlich organisieren können. Sie wissen am besten, welchen Bedarf Sie haben. Füllen Sie zuerst das Formular Selbstdeklaration genau aus und schicken Sie es dem Assistenzbüro ABü zu. ABü wird danach Ihre Angaben überprüfen und gegebenenfalls für die Abklärung zu Ihnen nach Hause kommen. Wenn Sie bestimmte Grenzen (Höchstbeträge gemäss Projektbeschrieb ABBE und Zeitwerte analog Assistenzbeitrag der Invalidenversicherung) nicht überschreiten, sollte Ihre Selbstdeklaration in der Regel übernommen werden. Das ABBE wird Ihnen von der Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) verfügt.

Downloads:

Selbstdeklaration für ABBE

Weitere nützliche Informationen und Downloads finden Sie im Ratgeber oder nehmen Sie direkt Kontakt mit uns auf.

 

Abklärungsverfahren

Der Bedarfsbogen ist aufgeteilt in folgende zentrale Bereiche:

  • Alltägliche Lebensverrichtungen der Selbstsorge
  • Administration und Haushalt
  • Tagesgestaltung (Freizeit, Bildung und Arbeit)
  • Gesundheit (Pflege und Therapie)
  • Überwachung und Nachtdienst

Anerkannt werden jene Arten und Formen von regelmässig benötigten persönlichen direkten und indirekten Hilfeleistungen, die unmittelbar bei Ihnen anfallen: Ausführen, Übersetzen, Vermitteln, Vorlesen, Ausfüllen, Beraten, Anleiten, Begleiten (inkl. Transport), Überprüfen, Kontrollieren und Überwachen. Damit soll dem unterschiedlichen Hilfebedarf je nach Behinderungsart entsprochen werden.

 

Abgrenzung zu anderen Sozialleistungen

Das Assistenzbudget berücksichtigt nur jene Zeiten, in denen Sie sich nicht in einer Behinderteninstitution aufhalten (Werk- / Tagesstätte u.ä.). Leistungen, welche andere Versicherer wie z.B. Kurse und Ferienlager von Behindertenorganisationen oder die Krankenversicherung (Spitex etc.) übernehmen, werden nicht ein zweites Mal entschädigt. Bitte überlegen Sie sich, welche Hilfen Sie bei herkömmlichen Anbietern beziehen und was Sie mit persönlicher Assistenz abdecken wollen. Das Assistenzbüro ABü wird Sie diesbezüglich befragen.

 

Verwendung

Berechnung des ABBE

Das Assistenzbudget des Kantons Bern wird ähnlich dem Assistenzbeitrag der IV berechnet. Basis ist zunächst der regelmässige zeitliche Bedarf an persönlicher Hilfe in den berücksichtigten Bereichen. Die durchschnittliche Höhe wird von der Geschäftsstelle standardisiert berechnet, indem der ermittelte zeitliche Hilfebedarf mit momentan 32.90 SFr. pro Stunde multipliziert wird. Die Nachtpauschale beträgt je nach Bedarfsstufe momentan 10.95 – 87.80 SFr. In diesen Ansätzen sind die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge an die Sozialversicherungen und die Ferienentschädigung von 8.33% (entspricht 4 Wochen pro Jahr) inbegriffen.

 

Nachweis der Verwendung des ABBE

Grundsätzlich steht es Ihnen frei, wen Sie mit dem ABBE entschädigen wollen. Sie können zwischen dem Einkauf von Dienstleistungen von Organisationen / Freischaffenden und der eigenverantwortlichen Direktanstellung von Persönlichen AssistentInnen wählen. Zu beachten ist, dass das ABBE Angehörige entlasten soll und darum nur ein Drittel des relevanten Hilfebedarfs für Familienangehörige verwenden darf (Der relevante Hilfebedarf wird inklusive der Hilflosenentschädigung berechnet). Als Familienangehörige gelten Personen, die mit der TeilnehmerIn verheiratet sind, in eingetragener Partnerschaft leben, eine faktische Lebensgemeinschaft führen oder in auf- oder absteigender Linie verwandt sind (Kinder, Eltern, Grosseltern, Grosskinder). Stief(gross)eltern und Pflege(gross)eltern sind den (Gross)eltern gleichgestellt. Geschwister fallen nicht unter diese Regelung.

BezügerInnen eines Assistenzbeitrages der IV oder von Pflegebeiträgen (Grundpflege) müssen die jeweiligen Rückerstattungen jeweils als Einnahmen im Rechnungsformular angeben. Das ABBE verringert sich entsprechend. Das Rechnungsformular ist monatlich, mindestens jedoch innert drei Monaten nach Leistungserbringung einzureichen (Ausnahme Todesfall = 12 Monate). Die Abrechnung erfolgt auf Franken-Basis (nicht Zeitbasis). Die ordnungsgemässe Lohnabrechnung Direktangestellter sowie Rechnungen von Anbietern sind im Rahmen der Rechnungskontrolle nachzuweisen.

Downloads:

Assistenzgelderabrechnung ASTeK 2018

Broschüre Abrechnung

Lohnabrechnung LAM 2018

Erklärungen Erfassung LAM

Lohnkostenberechnung

Weitere nützliche Informationen und Downloads finden Sie im Ratgeber oder nehmen Sie direkt Kontakt mit uns auf.

Pilotprojekt Berner Modell

Das Berner Modell ist die Weiterentwicklung vom Pilotprojekt Assistenzbudget Kanton Bern (ABBE). Dieses neue Modell wird von der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern umgesetzt und durchgeführt. Das Pilotprojekt Assistenzbudget (ABBE) wird zu einem späteren Zeitpunkt durch dieses neue Berner Modell abgelöst. Die Teilnehmenden des Pilotprojekts Assistenzbudget (ABBE) werden voraussichtlich spätestens zum Zeitpunkt der definitiven Einführung in das Berner Modell wechseln können.

Mit der Neuausrichtung der Berner Behindertenpolitik erhalten mit dem Berner Modell Menschen mit Behinderungen mehr Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und Freiheit bei der Wahl ihrer Betreuung und Pflege. Bisher hat der Kanton einer Werkstätte, einer Tagesstätte oder einem Wohnheim für jeden Menschen mit einer Behinderung gleich viel vergütet, egal wie viel Betreuung die Person benötigte.

Das neue Verfahren bemisst den Unterstützungsbedarf viel persönlicher. Neu wird für jede erwachsene Person mit einer Behinderung individuell durch die unabhängige Abklärungsstelle für den individuellen Bedarf von Menschen mit Behinderung (IndiBe) www.indibe.ch abgeklärt, wie gross der Bedarf an Betreuung und Pflege ist. Die Leistungen richten sich nach dem Bedarf des Menschen und nicht nach dem Bedarf der Institution. Das heisst, im Pilotprojekt werden vom Kanton nicht mehr in erster Linie Institutionen (Objekte) finanziert, sondern jeder Mensch (Subjekt) mit Behinderung erhält die Kosten für seinen persönlichen behinderungsbedingten Betreuungs- und Pflegebedarf vergütet. Dadurch entsteht für alle Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit, privat zu wohnen und mit Assistenz zu leben. Mehr Informationen finden Sie direkt unter www.participa.ch, Rubrik Berner Modell.