Assistenzbudget Kanton Thurgau (ABTG)

Einleitung

Der Gesamtregierungsrat des Kantons Thurgau hat im Strategieentscheid Ende Oktober 2015 betreffend Ausbau von Wohn- und Tagesstrukturplätzen für erwachsene Menschen mit Behinderung entschieden, das ambulante Betreuungsangebot prioritär zu fördern. Dazu zählt das Assistenzbudget Thurgau (ABTG).

 

Als Arbeitgeber selbstbestimmt und eigenverantwortlich leben

Dank dem ABTG können erwachsene Menschen mit einer Beeinträchtigung im gewohnten Lebensgefüge zu Hause anstatt in einem Heim leben. Sie werden von Assistenzpersonen und/oder Dienstleistern unterstützt, die sie selbst engagieren, gemäss eigenem Bedarf und Umfang. Mit dem ABTG werden die Menschen mit Behinderung zum Arbeitgeber; sie entscheiden selbst, wer wann, bei was, wo und wie hilft und gestalten ihr Leben selbstbestimmt und eigenverantwortlich. Sie übernehmen zentrale Kompetenzen wie zum Beispiel die Organisation, Auswahl, Stellenvergabe, Einsatzplanung, Aufgabenzuteilung und -kontrolle der Assistenzpersonen sowie die Einteilung und Abrechnung des Assistenzbudgets. Anstatt dass der Kanton Thurgau einen Platz in einer Behinderteneinrichtung finanziert, zahlt er einen Betrag an die betroffene Person, damit diese die Assistenzpersonen bzw. Dienstleister entschädigen kann.

 

Assistenzbudget Thurgau und Assistenzbeitrag der Invalidenversicherung

Mit dem ABTG ergänzt der Kanton Thurgau den Assistenzbeitrag der Invalidenversicherung (AB-IV) des Bundes, welcher vom Sozialversicherungszentrum Thurgau unter bestimmten Voraussetzungen verfügt wird. Im ABTG werden gezielt zusätzliche Leistungen anerkannt, welche im AB-IV nicht enthalten sind. Entweder kann das ABTG ergänzend zum AB-IV oder auch ohne AB-IV in Anspruch genommen werden. Sind jedoch die Anspruchsvoraussetzungen für den AB-IV erfüllt, muss dieser in Anspruch genommen werden, damit eine Teilnahme am ABTG möglich ist.

Das Sozialamt des Kantons Thurgau nimmt die Anmeldungen entgegen, prüft die Teilnahmeberechtigung, bewilligt die Finanzierung und führt diese aus:

Sozialamt des Kantons Thurgau
Promenadenstrasse 16
8510 Frauenfeld
www.sozialamt.tg.ch
(siehe letzter Abschnitt)

Das Assistenzbüro ABü nimmt im Auftrag des Sozialamtes des Kantons Thurgau als externe Fachstelle die Beratungen, die Abklärungen, die Durchführung sowie die Aufsichtsbesuche wahr.

 

Anmeldung

Teilnahmevoraussetzungen und Anmeldung

Das ABTG steht volljährigen Personen, die noch nicht im AHV-Alter sind, für sämtliche Behinderungsarten offen, wenn sie keinen AB-IV beziehen und folgende Voraussetzungen zwingend erfüllen:

  • Sie erhalten eine ganze IV-Rente (mind. 70 % Invaliditätsgrad) oder eine Hilflosenentschädigung (HE) der Invalidenversicherung (IV), Unfall- (UV) oder Militärversicherung (MV)
  • Sie leben in einer Privatwohnung und haben seit mindestens drei Jahren den zivilrechtlichen Wohnsitz im Kanton Thurgau (ab Datum des Gesuchs um ein ABTG)
  • Sie leben in einem Thurgauer oder ausserkantonalen Heim, für dessen Finanzierung der Kanton Thurgau zuständig ist, vorausgesetzt,  dass Sie beabsichtigen eine Privatwohnung im Kanton Thurgau zu beziehen

Personen, die einen AB-IV beziehen und das ABTG gemäss ihrem behinderungsbedingten Bedarf ergänzend in Anspruch nehmen möchten, können sich ebenfalls für ein ABTG anmelden. Personen, die vor dem Eintritt ins AHV-Alter ein ABTG bezogen haben, dürfen im Sinne einer Besitzstandswahrung im AHV-Alter das ABTG weiterhin beziehen. Die Teilnahmevoraussetzungen werden nach der schriftlichen Anmeldung durch das Sozialamt des Kantons Thurgau (SOA) überprüft. Vor Einreichung des Gesuchs um ein ABTG ist zu klären, ob ein Anspruch auf ein AB-IV besteht.

 

Bedarfsbemessung

Mithilfe der Selbstdeklaration können die Antragstellenden eine Stellungnahme darüber abgeben, in welchen Bereichen sie wie viel Hilfe benötigen, damit sie selbstbestimmt und eigenverantwortlich zu Hause leben können. Anerkannt werden diejenigen Arten und Formen von regelmässig benötigten, persönlichen direkten und indirekten Hilfeleistungen, die unmittelbar anfallen.
Nach der Selbstdeklaration wird eine Abklärung vor Ort mit der betroffenen Person durchgeführt. Danach wird die Berechnung des Hilfebedarfs durch das Assistenzbüro ABü durchgeführt und dem Sozialamt des Kantons Thurgau für die Erstellung eines Beitragsentscheids zugunsten der antragstellenden Person weitergeleitet.

 

Verwendung

Das Assistenzbudget des Kantons Thurgau wird ähnlich dem Assistenzbeitrag der IV berechnet. Basis ist zunächst der regelmässige zeitliche Bedarf an persönlicher Hilfe in den berücksichtigten Bereichen. Die durchschnittliche Höhe wird vom Assistenzbüro ABü standardisiert berechnet, indem der ermittelte zeitliche Hilfebedarf mit momentan Fr. 32.90 pro Stunde multipliziert wird. Die Nachtpauschale beträgt je nach Bedarfsstufe momentan Fr. 10.95 bis Fr. 87.80. In diesen Ansätzen sind die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge an die Sozialversicherungen und die Ferienentschädigung von 8,33 % (entspricht vier Wochen pro Jahr) inbegriffen.

Grundsätzlich steht den Teilnehmenden frei, wer mit dem Assistenzbudget entschädigt werden soll. Es kann zwischen dem Einkauf von Dienstleistungen von Organisationen/Freischaffenden und der eigenverantwortlichen Direktanstellung von persönlichen Assistentinnen und Assistenten gewählt werden. Zu beachten ist, dass das ABTG Angehörige entlasten soll und darum für diese nur ein Drittel des total abgeklärten Hilfebedarfs (Berechnung inkl. der Hilflosenentschädigung) verwendet werden darf.